Weihnachtstheater in der Grundschule

Thema: Ein lebendiger Adventskalender

Eine recht einfache und dennoch effektvolle und vor allem individuelle Weihnachtsaufführung bietet folgende Idee, die vollkommen flexibel auf jede Klassengröße und jegliches Potenzial an Kreativität zugeschnitten werden kann:


Zu Beginn der Aufführung unterhalten sich ein Großvater und sein Enkel über Adventskalender und der Großvater erzählt, dass es bei ihm früher einen „lebendigen“ Adventskalender gab, bei dem die Familie jeden Tag etwas Schönes gemeinsam gemacht hat, z.B. zusammen gesungen und musiziert, Geschichten gelesen oder Spiele gespielt.

Dies wird den Schülern zu Beginn der Planungen des Weihnachtsstückes erzählt und ihnen mitgeteilt, dass man diesen Adventskalender als Aufführung zeigen wird. Anschließend sammeln die Kinder in kleinen Gruppen Ideen, was sich hinter den einzelnen Türchen verbergen könnte. Bei uns waren das folgende:


Schrubberlied- ein Lied darüber, wie Engel aus Anlass des bevorstehenden Weihnachtsfestes alle Sterne auf Hochglanz polieren. Die gesamte Klasse singt.


Eiskunstlauf– bei dem drei Mädchen zu klassischer Musik nach einer einstudierten Choreografie „übers Parkett schlittern“


Plattdeutsche Witze – natürlich zum Thema Weihnachten und Geschenke


Vorspiele mit Instrumenten


Quizzu Bräuchen aus verschiedenen Ländern nach der Spielidee der Fernsehshow „Eins, Zwei oder Drei“


Weihnachtshighlights– ein Erzähler berichtet, was es mit der Befana, der Lucia, den Christmas-Crackern u.ä. auf sich hat, während parallel Kinder das Erzählte darstellen

Gedicht „24 lange Tage“ von James Krüss, das die gesamte Klasse zeilenweise im Verfahren Vorsprecher-Chorus über eine Hintergrundmusik spricht und mit Bewegungen verbindet (entstanden im Fach „Musik und Tanz“)


Weihnachtswörterwerkstatt– Kinder spielen in Anlehnung an das Buch „Die große Wörterfabrik“ von Agnes de Lestrade und Valeria Docampo vor, wie die Welt wäre, wenn es ihre Lieblings-Weihnachts-Wörter nicht gebe.


Karaoke mit Weihnachtsfiguren – Nussknacker, Rentier, Lebkuchenmann, Engel, Räuchermännchen und Weihnachtsmann singen Karaoke zu einem fetzigen Weihnachtspopsong


Sternschnuppen-Wünsche– Kinder tanzen mit Sternen über die Bühne und wünschen dabei in vielen Sprachen „Fröhliche Weihnachten“


Es werden Gruppen zu jedem Beitrag gebildet, die sich nun auf ihren Teil der Vorführung vorbereiten.

Den roten Faden für die Aufführung bilden ein großer Bilderrahmen, durch den die jeweils aufführenden Kinder hindurch auf die Bühne steigen, sowie der sich stets wiederholende gleiche Klang eines Glockenspiels vor jedem neuen Auftritt.


Um den Einstieg ein wenig zu erleichtern kommt hier die Einleitungserzählung (für alles weitere fragen Sie einfach Ihre Kinder…):


Großvater sitzt in einem Sessel, Enkel kauert daneben.


G: Hast du eigentlich heute dein Türchen schon geöffnet?

E: Ja klar, Opa!

G: Was war denn drin?

E: In welchem Kalender meinst du denn?

G: Wie – In welchem Kalender? Na, in deinem Adventskalender!

E: Aber ich habe doch drei! Einen selbst gebastelten mit kleinen Päckchen von meinen Eltern, einen mit Schokolade von meiner Oma und einen mit kleinen Bildern von meiner Tante.

G: streicht sich nachdenklich übers Kinn. Hmmm – so ist das also heutzutage. Als ich klein war, hatte ich keinen solchen Kalender.

E: erstauntDu hattest keinen Kalender?

G: Doch, aber keinen mit Bildern, Schokolade oder mit selbst gebastelten Päckchen. Ich hatte einen lebendigen Adventskalender.

E: noch erstaunter: einen lebendigen Adventskalender? Was ist das denn?

G: Was denkst du denn?

E: Vielleicht ist es einer, bei dem dir jeden Tag jemand ein Geschenk vorbeigebracht hat.

G: Oh nein, so war es nicht.

E: Oder es war ein Kalender mit Armen und Beinen, der laufen konnte und eine Weihnachtsmütze trug.

G: lacht:Nein, das auch nicht.

E: Flogen vielleicht Engel aus den Türchen und haben getanzt?

G: So etwas gibt es wohl im Traum, aber in der Wirklichkeit?

E: Oder ihr habt jeden Tag einen Ausflug gemacht, zum Beispiel zum Nussknacker in die Fabrik, und habt euch angeschaut, wie der hergestellt wird?

G: Jetzt kommst du der Sache schon auf die Spur. Soll ich’s dir verraten?

E: Jaaa!

G: Es war so: Wir haben alle zusammen jeden Tag etwas Schönes gemacht. An einem Tag haben wir zusammen gespielt, an einem anderen Tag haben wir gesungen oder auf unseren Instrumenten gespielt. Wir haben uns einmal auch mal Witze erzählt oder mein Opa hat mir eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen. An einem Tag haben wir uns sogar ein Theaterstück angeschaut.

E: Das war ja ein toller Kalender! So einen möchte ich auch mal haben!

G: Hier ist er!


Viel Spaß beim Vorbereiten und Aufführen wünschen Corinna Stuck und Martina Rieper von der Grundschule Steinkirchen!



Alle Theaterstücke des SDL 2013 online

Das Schultheater der Länder fand vom 15.-21. September 2013 in Schwerin statt. Das Thema war  "Theater in Bildern". 

 

Achtung: Alle Produktionen des SDL 2013 kann man sich hier ansehen.


Praxisbericht aus einem Schulzentrum

Verfilmung von Literatur

Emil und die Detektive

 

Die Bücherei hatte die Idee, dass die Oberschule und die Grundschule in Steinkirchen eine gemeinsame Projektwoche zu dem Thema „Bibliokunst“ veranstalten könnten. Die Kollegien beider Schulen stimmten zu, ohne wirklich zu wissen, was auf sie zukommt. Ein Projekt mit Erst- bis Zehntklässlern – kann das überhaupt funktionieren?

 

Eine Kollegin von mir und ich entschieden uns, Literatur zu verfilmen. Wir besaßen zwar beide einen Camcorder, hatten aber noch nie im klassischen Sinn einen Film gedreht. Wir baten die Schule, einen Experten hinzuholen zu dürfen, was uns genehmigt wurde. Ein ortsansässiger Filmschauspieler sagte an zwei Tagen während der Projektwoche seinen Einsatz zu. Auch im Vorfeld stand er uns beratend zur Seite.

 

Unser Projekt erfuhr von Seiten der Schülerschaft großen Zuspruch. Sobald die Teilnehmer feststanden, trafen wir uns mit den zehn Oberschülern aus den Klassen 6 bis 8 und den sechs Grundschülern aus Klasse 3 und 4. Wir wollten von ihnen wissen, ob sie ein spezielles Buch im Auge haben, aus dem sie gerne eine Szene verfilmen möchten. Da aus der Schülerschaft nichts kam, boten wir an: „Bis zum Morgengrauen“ oder „Emil und die Detektive“. Die Schüler entschieden sich für eine Szene aus dem Erich-Kästner- Jugendbuch.

 

Daraufhin suchte meine Kollegin zwei Szenen aus dem Buch heraus. Eigentlich wollten wir den Schülern die Aufgabe stellen, selbst ein Drehbuch aus den Szenen zu schreiben. Doch unser Experte gab zu bedenken, dass wir nur vier Tage Zeit haben, den Film zu drehen. Zu wenig Zeit, um auch noch ein Drehbuch zu schreiben, gab er zu bedenken.

 

Aus der Hörspielfassung des Jugendbuches schrieb mein Praktikant die gesprochenen Passagen aus den ausgesuchten Szenen heraus. Ich fügte Platz für die Regie-anweisungen ein. Unser Experte meinte, wir sollten ebenfalls genug Platz für das Story-Board lassen. Aus dem knapp zweiseitigen Skript wurde so ein 20 Seiten langer Text.

 

Zwei Wochen vor Projektbeginn trafen wir uns erneut mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Es stellte sich heraus, dass die Grundschüler alle schauspielern wollten, während sich die Oberschüler für Regie, Technik und Kamera interessierten.

 

Nach den Zeugnisferien war es dann soweit. Der erste Tag des Projekts war gekommen. Unser Experte stellte sich kurz vor. Um ein Gefühl für die Geschichte zu bekommen, lasen wir die Zeitungsmeldung von 1929, die Erich Kästner veranlasste, sein Jugendbuch zu schreiben. Den Emil Tischbein hatte es tatsächlich gegeben. Er wurde auf dem Weg zu seiner Großmutter im Zug beklaut. Der Junge verfolgte den Dieb durch halb Berlin und wurde dabei von etwa 100 Kindern aus Berlin unterstützt. Am Ende konnte der Dieb überführt werden. Es stellte sich heraus, dass er nicht nur Emil im Zug bestohlen hatte, sondern auch ein gesuchter Bankräuber war.

 

Anschließend bekamen die Schüler das Skript in die Hand. Jeder sollte eine Figur lesen. Unser professioneller Schauspieler ließ die Schüler gleich mit dem Text spielen. Sie wurden gebeten, bei jedem Satz ein Kind anzusprechen. Gemeinsame Sätze wurden im Chor gesprochen. Es stellte sich heraus, dass die Grundschüler sehr motiviert bei dieser Aufgabe sprachen, die Oberschüler dagegen sehr lustlos wirkten. Der Anfang erwies sich als sehr zäh. So brachen wir nach einer Weile diese Vorgehensweise ab. Bevor es in eine Pause ging, baten wir die Schüler das Skript selbst noch einmal durchzulesen.

 

Nach der Pause startete dann das Casting. Insgesamt wollten 7 Schülerinnen und Schüler bei der Szene mitspielen. Das Regie-Team, bestehend aus vier 8-Klässlern, ließ die Grundschüler und einen 6-Klässler zwei Texte lesen, die sie anschließend auswendig vortragen sollten. Schon hier zeigte sich, wer schnell auswendig lernen kann, vor Selbstbewußtsein strotzt und über schauspielerisches Talent verfügt. Das Regie-Team zog sich mit mir kurz zurück. Die Schüler diskutierten kurz untereinander und nahmen eine Rollenverteilung vor, die ich nicht besser hätte machen können.

 

Nach dem Casting werden die Teilnehmer in mehrere Gruppen aufgeteilt. Die Schauspieler lernen ihren Text, das Regieteam setzt sich mit dem Text auseinander und überlegt sich halbherzig Regieanweisungen, die restlichen Schüler suchen in der Schule nach Drehorten und überlegen sich Kostüme.

 

Am Ende des Tages werden Arbeitsaufträge vergeben, wie z.B. Text lernen, Kostüme und Requisiten mitbringen.

 

Am folgenden Tag machen wir Probeaufnahmen. Die Grundschüler können bereits sehr sicher ihren Text. Während sie proben, werden sie gefilmt. Das Ergebnis schauen wir uns direkt anschließend im Film an, so dass die Schüler ihre eigene Mimik kontrollieren können und sie merken, dass sie wesentlich lauter sprechen müssen.

 

Die Kamerafrau kann sich mit der Technik anfreunden, und aus dem Regie-Team kristalisiert sich die Chefin schnell heraus. Sie gibt an, wo das Licht zu stehen hat, aus welcher Position die Kamera filmen soll, welche Textabschnitte gedreht werden sollen und was die Schauspieler machen sollen.

 

Die anderen sind stille Beobachter, die nur selten etwas ergänzen, da die Chefin ihre Rolle wirklich prima ausfüllt. Im Laufe des Tages stellt sich zudem heraus, dass das Regieteam auch bereit ist, am Wochenende auf dem privaten Rechner den Film zu schneiden. Sie wollen auch die Take Outs und ein Making off, evtl. sogar einen Trailer zusammenstellen. Meine Kollegin und ich freuen uns, dass die Schüler so begeistert dabei sind, und wir vertrauen ihnen diese wichtige Aufgabe gerne an.

 

Am dritten Tag treffen wir uns in der Turnhalle, die bis 10 Uhr nicht besetzt ist. Der leer geräumte Geräteraum soll einen Schuppen darstellen, in dem sich Gustav und seine Freunde in Berlin treffen. Hier stellt Gustav seinen Freunden Emil vor, während ein Kind den Bösewicht im Café beobachtet.

 

Die Szene wird mehrfach durchgespielt. Nach jedem Durchgang wird die Kamera an einem anderen Ort positioniert. Alle Schüler sind erstaunlich diszipliniert und versuchen kein störendes Geräusch, während die Kamera läuft, zu machen. Auch das Klingeln zur großen Pause wird ignoriert. Da jeder weiß, dass der Drehort uns nur bis 10 Uhr zur Verfügung steht, wird zügig und konzentriert gearbeitet.

 

Nach gut 90 Minuten ist die Szene im Kasten, und wir wechseln zum nächsten Drehort, der Schulmensa. Jetzt soll auch unserer professioneller Schauspieler in einer Spezial- Guest-Rolle mitspielen. Er verkörpert den bösen Dieb, der sich Emil mit dem Namen Grundeis vorstellt.

 

Auch er bekommt in der Mensa seine Anweisungen von der 8-Klässlerin. Alle Techniker, Lehrer und Mitglieder des Regieteams werden als Statisten benötigt, die ebenfalls im Café sitzen.

 

Der letzte Drehort ist dann der Schulgarten, wo die Verfolgungsjagd gedreht wird. 30 Minuten vor Unterrichtsschluss ist der Drehtag beendet. Unser Profi ist begeistert. Er hatte im Vorgespräch mindestens zwei Tage für den Dreh eingeplant. Wir besprechen noch, wie der morgige Tage ablaufen soll, dann werden die Kinder entlassen.

 

Am letzten Tag wird der Film von drei Schülern aus dem Regieteam geschnitten. Damit auch die anderen Schüler davon etwas mitbekommen können, schließen wir den Rechner an den Beamer an, so dass man zwischendurch sehen kann, wie weit das Team mit dem Film ist. Während an dem Film gearbeitet wird, kümmern sich die anderen Schülerinnen und Schüler um die Werbung. Sie malen Plakate und schreiben Flyer, die in der Schule verteilt werden. Schließlich wollen sie, dass am Tag der Projektpräsentation auch ihr Film bewundert wird. Eine andere Gruppe erstellt eine Wandzeitung. Diese Schüler schreiben auf, wie wir gearbeitet haben, und kleben Fotos dazu.

 

An diesem letzten Tag waren meine Kollegin und ich eigentlich völlig arbeitslos. Wir führten nur noch Aufsicht und staunten über die Schülerinnen und Schüler, die das ganze Projekt selbst in die Hand genommen hatten.

 

Zum Abschluss befragten wir die Schüler, wie ihnen diese schulübergreifende Projetwoche gefallen habe. Die Grundschüler fanden toll, dass die Großen alles für sie gemacht haben und sie nur noch spielen mussten. Und die Oberschüler fanden die Kleinen „süß“.

 

Ich persönlich fand es sehr spannend zu beobachten, wie respektvoll die Großen und die Kleinen miteinander umgegangen sind, und beide Gruppen brachten zum Ausdruck, sie hätten nichts dagegen, wieder ein schulübergreifendes Projekt durchzuführen.

 

Sabine Köckeritz

 


Praxisbericht aus der Grundschule

Wir schreiben unser Weihnachtsstück selbst

Erfahrung mit dem biografischen Theater in der Grundschule

 

Begeistert habe ich in Düsseldorf an dem Workshop von Maike Plath teilgenommen. Noch im Zug auf der Rückfahrt entwickelte ich eine Idee, wie man die Methode von Maike Plath in der Grundschule anwenden kann. Mir kam die Idee, dass ich die Kinder einen Gegenstand mitbringen lasse, den diese mit Weihnachten verbinden.

 

Ende November war es dann soweit. In einem Elternbrief informierte ich die Eltern meiner dritten Klasse über unser Vorhaben und bat darum, einen Gegenstand herauszusuchen, der zwar für die Kinder in der Weihnachtszeit enorm wichtig ist, aber gleichzeitig in diesem Jahr in der Vorweihnachtszeit im Klassenraum bleiben muss.

 

Am nächsten Tag hatten fast alle 28 Schülerinnen und Schüler etwas Weihnachtliches dabei. Ihre Aufgabe war nun entweder aufzuschreiben, was sie mit diesem Gegenstand verbinden, warum er ihnen wichtig ist oder sie durften sich eine Lügengeschichte zu dem Gegenstand auszudenken. Auf den Tischen der Kinder standen Glasengel, Nikolausstiefel, Weihnachtskugeln, Schneekugeln, Plastikweihnachtsbäume, Kerzen, Weihnachtsmänner, Kokosflocken, ein Tannenzweig, Tonfiguren usw.

 

Alle Kinder schrieben eine Geschichte auf. Über das Wochenende hatten sie Zeit, diese zu Hause zu Ende zu schreiben, zu überarbeiten oder evtl. sogar eine zweite Geschichte zu erfinden. Mein autistisches Kind diktierte mir eine haarsträubende Geschichte. Im Laufe des Vormittages war der Glasengel des Kindes kaputt gegangen. Ein Flügel war nicht mehr aufzufinden, und der Unterleib war aus der Verankerung gebrochen. Der Junge nahm diesen Umstand in seiner Geschichte auf und erzählte, wie der Glasengel von einem Meteoriten getroffen wurde und sich auf die Suche, nach seinen Körperteilen machen musste. Aus diesem Grund musste er seinen Besitzer in Stich lassen und konnte seine Arbeit als Glücksengel vorübergehend nicht mehr nachgehen. Auf seinem Weg begegnete der Engel einer Krake (dieses Kuscheltier befand sich im Schulranzen des Schülers).

 

Nach dem Wochenende bekam ich die Geschichten von den Kindern, die ich mir zu Hause durchlas. Es gab spannende und weniger spannende Geschichten. Ich stellte 7 Gruppen zusammen. In jeder Gruppe gab es mindestens eine herausragende Geschichte, eine ziemlich interessante Geschichte, eine mittelmäßige Geschichte und eine eher langweilige Geschichte. Die Kinder mussten sich in der Gruppe für eine Geschichte entscheiden, die sie auf der Bühne gerne sehen wollten. Diese 7 Geschichten wurden dann im Plenum vorgelesen. Jedes Kind hatte dann 4 Steine zu vergeben. Die Geschichten mit den meisten Stimmen waren die Geschichten, mit denen wir uns in den nächsten drei Wochen intensiv beschäftigen wollten.

 

In den nächsten drei Tagen ging ich mit der Klasse in unseren Bewegungsraum, wo ich nach und nach 30 Karten aus dem Methoden-Repertoire für Darstellendes Spiel und Theaterunterricht von Maike Plath aus dem Beltz Verlag einführte. Ich hatte mir im Vorfeld Karten ausgesucht, die für Grundschulkinder leicht verständlich sind und die mir für unsere Inszenierung wichtig erschienen.

 

So musste ich in den nachfolgenden Stunden nicht lange erklären, was mit den theaterästhetischen Mitteln „chorisches Sprechen“, „Freeze“, „Diagonale“ etc. gemeint ist, außerdem war die Arbeit mit den Karten ein schönes Aufwärmspiel am Anfang der kommenden Unterrichtsstunden.

 

Ich hatte mir mit einer Kollegin einen Zeitrahmen von insgesamt drei Wochen mit 4-5 Wochenstunden gesteckt. Wir hatten also nicht viel Zeit, um die Kinder lange experimentieren zu lassen. Wir machten ein Brainstorming zu den einzelnen Geschichten. Mit den Ideen der Kinder ging ich nach Hause. Ich fügte den Geschichten einen Erzähler und einem kommentierenden Chor hinzu.

 

Meine Idee war, dass alle Kinder im Hintergrund auf der Bühne sitzen. Die Konzentration sollte dadurch hochgehalten werden, dass die Kinder chorisch kommentieren, was auf der Bühne gerade passiert. Wenn ein Haus, ein Bett, ein Vogel oder ähnliches gebraucht wurde, löste sich ein Kind aus dem Chor, übernahm für einen kurzen Moment diese Rolle und ging, sobald es nicht mehr gebraucht wurde, zum Chor zurück.

 

Die Geschichtenschreiber bekamen das Privileg aussuchen zu dürfen, wer welche Rolle in ihrem Stück spielen darf. Sie selbst konnten entscheiden, ob sie selbst der Erzähler sein wollten, die Hauptfigur oder eine Nebenrolle. Dadurch fühlten die Kinder sich sehr ernst genommen und waren in den ganzen drei Wochen sehr konzentriert. Zu Hause erzählten sie ihren Eltern, dass ihnen das Proben sehr viel Spaß mache, da es sich um ihre eigenen Geschichten handelt, die sie selbst geschrieben und selbst besetzt hätten.

 

Die Geschichten, die nicht ausgesucht wurden, wollte ich trotzdem würdigen. Diese Kinder bekamen die Aufgabe, ihre Geschichte auswendig zu lernen, bzw. so zu lernen, dass sie diese jemand anderem aus dem Kopf erzählen könnten. So startete das Stück damit, dass die Kinder durch den Raum mit ihrem Gegenstand gingen, sich zu einer Person aus dem Publikum setzten und diesem die erfundene Geschichte erzählten. Um das zu üben bat ich die Kinder einer ersten Klasse an einer Probe teilzunehmen und sich Geschichten erzählen zu lassen. Die Erstklässler gaben meiner Klasse Rückmeldung, was diese noch verbessern könnten.

 

Spannend fand ich, mit welcher Ruhe die Proben stattfanden. Es gab kaum Texthänger, selbst der Chor vergaß nie seinen Text, da immer irgendeiner gerade wusste, was jetzt kommt und auch schwächere Kinder einfach mitsprechen konnten.

 

Am letzten Schultag präsentierte meine Klasse dann in einer feierlichen Stunde der Schule diese Eigenproduktion. Die Kinder bekamen sehr viel Beifall.

 

Wer neugierig geworden ist: Einen Ausschnitt der Produktion kann man auf You Tube sehen (leider schlechte Tonqualität) 


 

Wer zu privaten Zwecken das Stück zur Ansicht haben möchte, kann sich hier melden.

 

Sabine Köckeritz

Vorstandsmitglied im Fachverband Schultheater - Darstellendes Spiel Niedersachsen e.V.

 

Improvisationstheater in der Grundschule

Im letzten Schuljahr fand an der Grundschule Steinkirchen eine Projektwoche zum Thema Musik - Theater - Tanz statt. Künstler arbeiteten an drei Tagen gemeinsam mit den Lehrern an unterschiedlichen Projekten. Die Projektwoche gipfelte mit einer Werkstattschau. Jana Köckeritz von der "Wilden Bühne" und "Inflagranti" in Bremen arbeitete mit der Lehrerin Sabine Köckeritz zum Thema "Märchen". Mit den Mitteln des Improvisationstheater entstand ein 10 minütiges Stück, das auf YouTube veröffentlicht wurde.